Teilzeit ist kein Problem. Verbote wären es.

Doch zuerst einmal, wie es bei uns aussieht: Wir sind ein sechsköpfiges Team, davon drei angestellte in Teilzeit – nicht aus Faulheit oder fehlender Arbeitsmotivation, sondern aus persönlichen, gesundheitlichen, organisatorischen oder gesellschaftlichen Gründen, darunter auch Ehrenamt. Keiner dieser Gründe ist erklärungs‑ oder rechtfertigungspflichtig.

Die aktuelle Debatte über angebliche „Lifestyle‑Teilzeit“ ignoriert neben einfachem Menschenverstand vor allem eines: Daten und Fakten.

Teilzeit und Erwerbstätigkeit:

Im Jahr 2025 arbeiteten 39,8 % der 46 Millionen Beschäftigten in Deutschland in Teilzeit – ein historischer Höchstwert, das entspricht 16,75 Mio. Menschen [1;2]. Laut Daten des Statistischen Bundesamts nennen rund die Hälfte der Teilzeitbeschäftigten Gründe wie Betreuung, Gesundheit oder Weiterbildung, die andere Hälfte gibt sonstige oder persönliche Gründe an – allesamt legitime Motive [3]. Rechnet man das grob auf die genannte Gesamtzahl hoch, betrifft das rund 8 Mio. Menschen, die unter „persönliche/sonstige Gründe“ fallen – kein bloßes Randphänomen, sondern Lebensrealität für ca. 17% aller Beschäftigten. Gleichzeitig lag die Erwerbstätigenquote in Deutschland 2024 bei rund 77 % und damit klar über dem EU‑Durchschnitt von etwa 71 %; flexible Arbeitsmodelle wie Teilzeit werden in der Forschung regelmäßig als ein Faktor für diese hohe Erwerbsbeteiligung genannt [4].

Die Wirtschaft:

Ein häufiges Argument der Teilzeit-Gegener lautet: „Weniger Arbeitsstunden = wirtschaftliche Leistungsfähigkeit leidet“. Hier lohnt sich ein Blick auf einen der zentralen Indikatoren wirtschaftlicher Entwicklung – das Bruttoinlandsprodukt (BIP) – und darauf, welche arbeitsbezogenen Faktoren dort tatsächlich den größten Einfluss haben. Laut OECD trugen von den drei arbeitsbezogenen Faktoren – Arbeitsstunden, Beschäftigtenzahl und Produktivität – Veränderungen der geleisteten Arbeitsstunden im Jahr 2023 am wenigsten zum Wirtschaftswachstum bei (OECD, 2025) [5]. Deutlich relevanter für das Wirtschaftswachstum war hingegen die Anzahl der Erwerbstätigen: Veränderungen der Beschäftigtenzahl waren 2023 in vielen OECD‑Ländern der größte Treiber des Wirtschaftswachstums (OECD, 2025) [4]. Teilzeit scheint also, hingegen mancher Meinung, unserer Wirtschaft nicht zu schaden, sondern diese sogar zu unterstützen. Dem stimmt auch der Ökonom Sebastian Dullien (IMK) zu: „Wenn man gesamtwirtschaftlich die geleistete Arbeitszeit erhöhen möchte, könnte ein Verbot der Teilzeit nach hinten losgehen.“ [6]

Unsere Haltung:

Gesundheit und Zufriedenheit der Mitarbeitenden sind kein Bonus, kein „Benefit“, kein Obstkorb. Maßnahmen, die diese fördern – wie unter anderem Teilzeitarbeit –, sollten nicht verboten oder eingeschränkt, sondern gefördert werden. Sie sind Grundvoraussetzungen, die jeder Arbeitgeber bieten sollte. Zudem sind manche Aufgabenbereiche in einem jungen Unternehmen schlicht (noch) nicht groß genug für Vollzeitstellen. Wächst ein Bereich, sprechen wir offen darüber, ob jemand seine Stunden aufstocken möchte.

Natürlich sind das nur einige wenige Punkte in einer größeren Debatte. Wir denken aber, dass unser Standpunkt damit klar wird.

TL;DR

Teilzeit ist für Millionen Menschen in Deutschland Realität – aus Betreuung, Gesundheit, Weiterbildung, Ehrenamt oder anderen persönlichen Gründen. Deutschland hat trotz hoher Teilzeitquote eine überdurchschnittlich hohe Erwerbstätigenquote. OECD‑Daten zeigen: Mehr Erwerbstätige sind für Wachstum wichtiger als mehr Stunden pro Kopf. Ein Verbot oder eine Einschränkung von Teilzeit wäre ökonomisch kurzsichtig und gesellschaftlich schädlich - und wir sind dagegen.


Quellen


Über die Autorin

Mara ist Management Assistant & People Managerin bei ELCh Digital – was im Alltag so ziemlich alles bedeutet: HR, Marketing, Akquise, Verwaltung, Recherche und natürlich Social Media. Wenn sie nicht gerade das Team bei Blog‑ und Posterstellung unterstützt (oder selbst in die Tasten haut), freut sie sich über jede Aufgabe, bei der sie kreativ werden kann. Und meistens sind ihre Katzen als moralische Unterstützung direkt mit am Start.